3D-Druck: Die Rettung für Greifvogel Söckchen

In ihrer Show gehörte sie zu den Publikumsmagneten. Doch dann brach sie sich ein Bein und ihr Unterschenkel wurde amputiert. Daraufhin bestand die Gefahr, dass sie sich zurückzieht und abkapselt. Doch dank 3D-Druck, dem Verein e-Nable und Maschinenbauer Lars Thalmann zeigt sie sich jetzt wieder in der Öffentlichkeit. Die Rede ist von Söckchen, einem Greifvogel aus dem Weltvogelpark Walsrode.

Einzigartige Möglichkeiten von 3D-Druck für Prothesen

Nachdem das Sekretär-Weibchen mit einem gebrochenen Bein in seiner Voliere gefunden wurde, war schnell klar, dass der Unterschenkel amputiert werden musste. Denn die Nervenbahnen waren durchtrennt. Auf der Suche nach einer geeigneten Prothese erfuhr eine Mitarbeiterin von e-Nable. Der Verein ist auf die Herstellung von 3D-gedruckten Handprothesen für Kinder spezialisiert.

Die Gründer Lars Thalmann, Bernice Walter und Jan Hengst entdeckten die Arbeit des internationalen Netzwerks Enabling The Future in den USA und beschlossen, das Projekt nach Deutschland zu holen. Nun nutzen sie 3D-Drucker, um kostenlos individuelle Handprothesen für Kinder anzubieten.

„Wir bauen Gratisprothesen für Kinder, damit sie auch ohne die teuren elektronischen Hightech-Prothesen etwa im Sandkasten spielen können. Es ist nicht unser Ziel, Hightech-Prothesen zu ersetzen – wir wollen eine unkomplizierte Ergänzung zum Spielen anbieten,“

erklärt Lars Thalmann. Besonders vom Potenzial, das 3D-Druck bietet, ist der 35-jährige Maschinenbauer begeistert:

„Der 3D-Druck in Kombination mit den neusten Entwicklungen in der Kunststoffbranche bietet grade in unserem Tätigkeitsbereich fantastische Möglichkeiten. Denn wir können sehr schnell eine fertige Prothese aus den 3D-CAD-Daten erstellen. Falls diese verändert werden müssen, können wir sofort reagieren. Außerdem sind die Kosten weit geringer als bei anderen Verfahren. Hinzu kommt eine sehr gute Materialausnutzung dank der nur sehr wenig ‚Abfall‘ entsteht. 3D-Druck ist also auch in diesem Punkt der spanenden Fertigung überlegen. Alles in allem bin ich immer wieder begeistert über die Einsatzmöglichkeiten der 3D-Drucktechnik, ohne die wir nur sehr schwer so viele Projekte weltweit hätten umsetzten können!“

3D-Druck in der Medizin

Mit 3D-Druck und Handprothesen kennt sich das Team hinter e-Nable also bestens aus. Söckchen war aber das erste Tier, das der Verein mit einem 3D-gedruckten Körperteil versorgt hat. Dafür kam Lars Thalmann nach Walsrode, um Maß für eine erste Prothese zu nehmen. Doch obwohl diese perfekt nachgeahmt war, war sie etwas zu schwer und rieb am gesunden Teil des Beins.

Um dadurch bedingte Komplikationen zu vermeiden, entwickelte e-Nable eine schlichte Prothese ohne Krallen, mit der Söckchen nun wunderbar zurechtkommt. Denn entzündete Stümpfe sind bei Vogelprothesen ein großes Problem, das Söckchen zum Glück erspart geblieben ist.

Einen großen Anteil daran hat sicherlich auch das im 3D-Druck oftmals verwendete Material: Kunststoff bietet bei einem geringen Gewicht die nötige Stabilität und Flexibilität. Aber nicht nur für die Veterinärmedizin, sondern auch für die Humanmedizin  zeigt sich 3D-Druck immer wieder als aussichtsreiche Option.

Kennt ihr noch weitere Beispiele? Dann teilt sie in der Kommentarspalte mit uns!