drupa Essentials of Print: Alvise Cavallari

In unserer Serie drupa Essentials of Print bieten wir Profis aus der Druckbranche eine Plattform, um ihre Sicht der Dinge auf branchenrelevante Themen zu teilen.

„In nur zwanzig Jahren ist der Digitaldruck in praktisch jeden Bereich der Druckindustrie eingezogen. Selbst auf dem schwierigen Gebiet der Lebensmittelverpackungen, mit hohen Stückzahlen und strengen Regularien, gewinnt er an Boden.

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Die drupa hat es bisher schon gezeigt: Die Zukunft ist digital. Neben führenden Herstellern mit ausgefeilten Digitalisierungsstrategien treten immer wieder neue Akteure auf den Plan. Doch bei aller Dynamik bleibt das Angebot auch stark fragmentiert. In den kommenden Jahren dürfte sich der Markt konsolidieren, um gewachsenen Anforderungen und neuen Anwendungen noch besser zu begegnen. Zugleich ist zu beobachten, dass Druck und Industrie wieder zusammenfinden.

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Trotz unbestrittener Fortschritte bei der Lebensmittelechtheit von Digitaldrucktinten werden gängige Digitaldrucklösungen – Druck, Tinte und Weiterverarbeitung – optimiert werden müssen, um den strengen Anforderungen an Lebensmittelverpackungen zu genügen. Weitere Aspekte, an denen noch gefeilt werden muss, sind Recyclingfähigkeit, Wiederverwertbarkeit und Kompostierbarkeit. Werden die heutigen Technologien all dem gewachsen sein? Es bleiben nur noch wenige Jahre: Nachhaltigkeit wird zu einem immer wichtigeren Entscheidungskriterium. Darauf muss sich die Druckindustrie einstellen.

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Individualisierung ganz zum Schluss bringt für den Verpackungsdruck eine gehörige Umstellung: Die bisher starre Lieferkette weicht einer vernetzten Produktion, bei der es durchaus vorkommt, dass diverse statische und variable Elemente eines Designs an unterschiedlichen Standorten gedruckt werden. Statt sämtliche Druck- und Weiterverarbeitungsprozesse an einen einzigen Akteur auszulagern, muss mit vielfältigen Lieferkettenoptionen gearbeitet werden, die auf unterschiedliche Produktvarianten, Geschäftsmodelle und Vertriebskanäle eingestellt sind. Zwischen Komplettauslagerung und Komplettproduktion im eigenen Haus kommen die verschiedensten Modelle in Betracht. Kurz, „Late Stage Customisation“ bringt eine neue Dimension von Flexibilität und Variabilität.

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Dieser Grad an Integration und Vernetzung zur Erzielung der Losgröße 1 mag zunächst futuristisch erscheinen, und er ist tatsächlich ein hoch gestecktes Ziel. Doch alle notwendigen Technologiebausteine gibt es bereits. Digitale Frontends, als erweiterte RIPs, können komplexe Vorlagen dynamisch und blitzschnell verarbeiten.“

 

In der Verpackungsbranche stehen zahlreiche Veränderungen an. In seinem Artikel „Digitaler Verpackungsdruck: Bahn frei für die vernetzten Fabriken der Zukunft!“ beschäftigt sich Alvise Cavallari mit den Auswirkungen dieser Veränderungen. Treibende Kräfte sind neue Vertriebskanäle (insbesondere online), neue Lieferkettenkonzepte (etwa Multichannel), wachsende Anforderungen an die Nachhaltigkeit sowie der Trend zu Individualisierung und Personalisierung. All dies erfordert neue Technologien und Materialien. Eine wichtige Weichenstellung ist der Digitaldruck.

 

Über den Autor:

Alvise Cavallari studierte zunächst Maschinenbau. Fast 20 Jahre lang arbeitete er in diesem Bereich und entdeckte seine Faszination für den Verpackungsdruck. Beim Wechsel vom B2B- in das B2C-Geschäft kam er zur Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Nestlé. Als Leiter des konzernweiten Digitaldruckprogramms ist er ein Beobachter aktueller Technologietrends sowie der geschäftlichen Herausforderungen und Chancen, die sich daraus ergeben.