[Gastbeitrag] Gutenbergs Erfindungen – Teil 1: Patrize und Matrize

In unserer neuen Reihe stellt Gastautorin Dr. Julia Bangert von der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V. nach und nach die Erfindungen von Johannes Gutenberg vor. Den Anfang machen Patrize und Matrize.

Punch and Matrix

Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern beruht auf einem einfachen, aber genialen Prinzip: Der Text wird in seine kleinsten Bestandteile, die Buchstaben und Satzzeichen, zerlegt. Diese einzelnen Bausteine in Form von Metalllettern können immer wieder neu zu verschiedenen Texten zusammengesetzt werden. Beeindruckend an Gutenbergs Leistung ist, dass er alle notwendigen Teile für ein komplettes, komplexes System zum maschinellen Druck von Texten erfand bzw. entwickelte. Alles funktioniert im Zusammenspiel so gut, dass das Verfahren über Jahrhunderte hinweg kaum verändert wurde.

Patrize

Der erste Teil von Gutenbergs Erfindung besteht in der Herstellung von Gussformen für die Drucklettern. Dafür wird zunächst auf die Spitze eines Stabs aus hartem Metall, z. B. Stahl, ein Buchstabe seitenverkehrt und erhaben eingraviert. Der so entstandene Stempel wird „Patrize“ genannt. Solche Stempel zum Einprägen von Buchstaben waren zu Gutenbergs Zeit bereits bekannt und wurden beispielsweise von Goldschmieden verwendet. Gutenberg wurde im Jahr 1444 in einer Liste der Einwohner Straßburgs als ein „Zugeselle“ der Goldschmiedezunft bezeichnet. Das ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einem ordentlichen Mitglied. Als Patrizier war Gutenberg kein Goldschmied, aber er verfügte über entsprechende technische Kenntnisse und arbeitete für seine Erfindung eng mit einem großen Team aus Handwerkern, Fachleuten und Geldgebern zusammen.

Matrize

Die Patrize wird in ein Stück weicheres Metall, etwa Kupfer, eingeschlagen. So erhält man ein vertieftes und seitenrichtiges Abbild des Buchstabens und damit eine Gussform. Diese Gussform als Gegenstück zur Patrize wird Matrize genannt. Mit einer Matrize können nun beliebig viele Lettern gegossen werden. Als zugrunde liegende Gussformen einer Schrift waren die Matrizen für die Drucker von großem Wert und wurden sorgfältig aufbewahrt, damit bei Bedarf neue, identische Lettern gegossen werden konnten. Mehr über den Guss der Lettern erfahren Sie in Teil 2 unserer Reihe „Gutenbergs Erfindungen“.

Über die Autorin:
Dr. Julia Bangert, Copyright: cross-effect

Julia Bangert ist promovierte Buchwissenschaftlerin und Künstlerin. 2019 erschien ihre Dissertation unter dem Titel „Buchhandelssystem und Wissensraum in der Frühen Neuzeit“. Neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V. arbeitet sie als Buchmalerin und Illustratorin. Feinste Farbgebung und ein eleganter Pinselschwung sind ihr Markenzeichen, eine perfekte Blattvergoldung ist ihre Leidenschaft.