Pioneers of Printing (Special Edition): Die Geschichte eines Handsetzers

Der Beruf des Handsetzers ist fast so alt wie der Buchdruck selbst und noch heute lässt er sich hautnah erleben: Im Museum für Druckkunst in Leipzig. Hier erfahrt ihr mehr über den Handsetzer:

Handsatz hautnah erleben

Bereits im 15. Jahrhundert schrieb Gutenberg Druckgeschichte, als er eine Technik entwickelte mit deren Hilfe er die sogenannte Gutenberg-Bibel produzierte: In einer Auflage von etwa 180 identischen Exemplaren und das nur innerhalb von fünf Jahren. Moderne Drucktechniken schaffen dies innerhalb weniger Stunden und trotzdem übt der Beruf des Handsetzers heutzutage noch eine gewisse Faszination aus.

Die im Nordwesten Sachsens gelegene Stadt Leipzig war nicht nur lange Zeit ein Zentrum der Verlags- und Druckbranche, sondern ist auch seit 1994 Heimat des Museums für Druckkunst. Das Besondere an diesem Museum? „Durch die Kombination einer produzierenden Werkstatt und eines Museums ist es möglich, mehrere Jahrhunderte Druck- und Mediengeschichte hautnah zu erleben. Die Maschinen und Pressen werden nicht als stumme Zeugen ihrer Zeit präsentiert, sondern führen die Arbeitsmethoden in lebendiger Form praktisch vor“, schreibt das Museum auf der Homepage.

So zum Beispiel auch das Schriftsetzen von Hand (nicht zu verwechseln mit dem Maschinensetzen, über das ihr hier mehr erfahrt). Was genau ein Handsetzer macht und wie sich der Beruf bis heute weiterentwickelt hat, erfahrt ihr im Interview mit Thomas Kurz, der im Museum täglich seine Expertise demonstriert.

Die Technik der Vergangenheit für ein Publikum der Zukunft

Thomas Kurz hat sich bereits vor der Wende mit seiner eigenen Druckerei selbstständig gemacht. Im Jahr 1991 hat er sich seinen ersten Computer und eine Offsetdruckmaschine zugelegt und dafür in etwa so viel bezahlt wie für ein Einfamilienhaus. Vorher war die Produktion von Drucksachen zeitaufwendig: Die Fertigstellung eines Kirchenblatts bestehend aus acht Seiten dauerte in etwa einen Tag. Diese Methode ist mittlerweile zwar nicht mehr alltagstauglich, die Maschinen vorzuführen hält Thomas Kurz aber auch heute noch für eine wertvolle Erfahrung für Kinder: „Viele haben sowas noch nie gesehen, also wie das funktioniert: das Zusammenbauen von Buchstaben, das Setzen.“

Für weitere Infos über den Handsetzer und die Geschichte des Berufsbildes, schaut euch doch das Interview an.

Das Museum für Druckkunst wird im Juni 2020 auch einen eigenen Stand auf der drupa haben. Hier könnt ihr heute schon euer Ticket kaufen!

 

PS: Die Seite industriegeschichten.de stellt noch zahlreiche andere spannende Berufe vor. Schaut doch mal vorbei und erfahrt mehr über Personen, die bis 1989 in jetzt nicht mehr produzierenden sächsischen Industriebetrieben gearbeitet haben und ihrem ehemaligen Berufsumfeld auch nach der Wende treu geblieben sind – sei es in Museen, Fördervereinen oder Initiativen.