Print Media Technologies: Was die Studierenden erwartet –
Interview mit Volker Jansen und Gunter Hübner

Im zweiten Teil unseres Interviews mit den Professoren Volker Jansen und Gunter Hübner sprechen sie über den Print-Media-Technologies-Studiengang an der Hochschule der Medien in Stuttgart und was die Studierenden erwarten können.

Titelbild: © Hochschule der Medien Stuttgart

Als Weltleitmesse für Drucktechnologie liegt die Talentförderung in der Druckindustrie der drupa selbstverständlich sehr am Herzen. Deshalb unterstützen wir nicht nur Unternehmen, sondern auch die Bildungseinrichtungen der Medienbranche bei der Suche nach Nachwuchs.

Vor kurzer Zeit konntet ihr bereits den ersten Teil unseres Interviews mit Volker Jansen und Gunter Hübner, zwei Print-Media-Technologies-Professoren der Hochschule der Medien in Stuttgart, lesen. Dieser widmete sich der Frage, für wen der Studiengang Print Media Technologies interessant sei.

Teil zwei steht ganz im Zeichen des Studiums selbst und dessen Inhalten.

Prof. Dr.-Ing. Gunter Hübner (links) & Prof. Dipl.-Ing. Volker Jansen (rechts)

drupa: Wieso haben Sie sich entschieden, den Studiengang zu internationalisieren?

Hübner: Vor dem Hintergrund eines wachsenden internationalen Wettbewerbs und einer zunehmenden Verlagerung von Produktionsstandorten in Wachstumsregionen steigen die Anforderungen an das zukünftige Berufsbild junger Menschen, die in der Medienindustrie beschäftigt sein werden. Dazu kommen Verschiebungen in der Wettbewerbskonstellation großer global operierender Konzerne, die durch Akquisitionen und Fusionen bewirkt werden, was wiederum zur Formulierung komplexerer anwendungstechnischer, markt- und betriebswirtschaftsorientierter Aufgabenstellungen führt. Die langfristigen Aufgabenstellungen der Druck- und Medienindustrie beruhen vor allem auf der Notwendigkeit, veränderten Produktions-, Markt- und Produktanforderungen entsprechen zu können.

Jansen: Dazu gehören beispielsweise die Internationalisierung der Geschäftstätigkeit durch Akquisition oder Gründung von Unternehmen im Ausland, die technische und betriebswirtschaftliche Konsolidierung in global operierende Einheiten, technische Innovationen, vor allem in den Bereichen 3D-Druck, Substrate, Digitaldruck und Veredelungstechnologien. Die Flexibilität in gewählten Produktionstechnologien und die Integration von Logistikleistungen sind dabei genauso wichtige Faktoren, wie beispielsweise das Internet of Things und die damit einhergehenden flexibleren IT- und Workflow-Lösungen, auch durch Cloud-Anwendungen. Externe Faktoren, wie die demographische Entwicklung in Europa und auf der ganzen Welt, müssen da vor allem bei allen Nachhaltigkeitsthemen und beim Human Resource Management im Rahmen des International Corporate Plannings berücksichtigt werden.

drupa: Wie flexibel reagieren Sie im Hinblick auf Studieninhalte auf Veränderungen in der Branche?

Jansen: Der englischsprachige Studiengang Print Media Technologies bietet die Perspektive, technische, betriebswirtschaftliche, sprachliche und soziale, interkulturelle Kompetenzen miteinander zu verbinden. Dabei spielt die Vermittlung technischer Bildungsangebote aktueller Themen, die vor allem für die traditionelle Druckindustrie von Interesse sind, eine untergeordnete Rolle. Der Fokus des Studiengangs liegt vor allem auf Kommunikationskonzepten und Fertigungstechnologien der Zukunft.

Hübner: Die Studieninhalte sind in Applikationen aufgeteilt, wie z. B. Packaging Printing, Additive Manufacturing, Industrial Printing, Commercial Printing usw., die auch noch im Jahr 2050 Bedeutung haben werden. Somit können die technologisch relevanten Inhalte entsprechend aktualisiert werden. Das Bildungsangebot ist vor allem auf zukünftige technologische Problemstellungen orientiert.
Der internationale Anspruch des Studiengangs beruht auf der Vermittlung interkultureller Kommunikationskompetenzen, auf der Vermittlung von ingenieurwissenschaftlichen Kenntnissen sowie auf der Entwicklung von Fähigkeiten zur Veränderung durch Innovationen in unterschiedlichen Technologiebereichen der Druck- und Medienindustrie.

drupa: Welche Inhalte überraschen Print-Media-Technologies-Studenten, die gerade angefangen haben, am meisten?

Jansen: Studierende haben vor allem Interesse an den Technologien des Variable Data Printings und dem 3D-Druck. Die nichttechnologischen Bereiche des Intercultural Problem Solvings und der Sprachangebote bilden eine hochinteressante Mischung. Vor allem Spanisch ist sehr populär.

drupa: Welche Rolle spielt der Praxisbezug beim Studiengang „Print Media Technologies“?

Hübner: Dem Studiengang steht ein technologisches Zentrum zur Verfügung, das mit den neuesten Produktionsmaschinen und Forschungseinrichtungen ausgestattet ist. Vor allen Dingen erfreut sich der Studiengang einer aktiven Unterstützung aus der Industrie. Das Technology Center umfasst Technologiebereiche des Verpackungs- und des industriellen Drucks, es beinhaltet eine 3D-Factory, ein Post Press Center und eine Einrichtung mit Digitaldruckmaschinen, den entsprechenden Workflows, Pre-Media-Einrichtungen usw. Alle Technologien stehen den Studierenden für Projekte, Praktika und für forschungsrelevante Themen zur Verfügung. Im fünften Semester absolvieren die Studierenden ein technologisches Industriepraktikum. Dort lernen sie theoretisch Gelerntes anzuwenden.

drupa: Wie vielfältig sind die späteren Aufgabengebiete Ihrer Absolventen und bei welchen Unternehmen sind sie mittlerweile tätig?

Jansen: Die Aufgabengebiete der Absolventen sind sehr weit gefächert. Von der Führungskraft in einer klassischen Druckerei über Projektmitarbeiter im Bereich von Innovation, Marketing, Kampagnen und Workflows bis hin zu Entwicklertätigkeiten in Forschungseinrichtungen im industriellen Druck oder der gedruckten Elektronik.

Hübner: Der Studiengang Print Media Technologies hat erst 2018 begonnen. Daher gibt es noch keine Absolventen. Aus dem deutschsprachigen Vorgängerstudiengang Druck- und Medientechnologie sind Abgänger jüngst zu Firmen wie HP, Koenig und Bauer, Daimler, Porsche, Springer Group, Bertelsmann, BASF, Tetra Pak, Bosch, Kodak, Canon, Fuji, Konica-Minolta, Henkel, Ferrero, Storck, Procter & Gamble, Unilever, L’Oréal, Klett-Gruppe, Hugo Boss und vielen, vielen mehr gegangen.

Haben die beiden Profs euer Interesse am PMT-Studiengang geweckt oder habt ihr euch schon für einen vergleichbaren Studiengang beworben? Verratet es uns in den Kommentaren!