Technologie der Zukunft? Interview mit Rainer Gebhardt über den drupa touchpoint 3D fab+print – Teil 1

Sind Additive Fertigungsverfahren wie der 3D-Druck die Technologie der Zukunft? Rainer Gebhardt, Projektleiter der VDMA – Arbeitsgemeinschaft der additiven Manufaktur hat uns im Interview Rede und Antwort gestanden und gibt damit einen Überblick über die Möglichkeiten und Potenziale.

Rainer Gebhardt, Projektleiter der VDMA – Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing hat für unsere Fragen zum Thema 3D oder „additive manufacturing“ Rede und Antwort gestanden. Die VDMA ist einer unserer Partner der Sonderschau „touchpoint 3D fab+print“ auf der drupa 2020.

Die Technologie rund um den 3D-Druck ist schon lange ein wichtiger Punkt in unserer Branche. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der mittlerweile frequenten Nutzung dieser Technik, wird sie immer wieder als Zukunftstechnologie gehandelt. Stets finden sich Erweiterungen, neue Entdeckungen und neue Ideen. Die Entwicklung erfolgt im Vergleich mit anderen Technologien oder Verfahren rasant. Sind also additive Fertigungsverfahren wie diese die Technologie der Zukunft – ganz nach dem drupa Motto „embrace the future“?

 

drupa: Womit beschäftigt sich Ihre Arbeitsgemeinschaft, wenn sie gerade nicht den touchpoint 3D fab+print plant?

 Wir sind beispielsweise noch auf vielen anderen Events vertreten. Eines unserer Ziele ist die Vernetzung unter den Mitgliedsfirmen sowie nach außen. Das heißt, wir wollen innerhalb und außerhalb des VDMA die Menschen zusammenzubringen, die sich gegenseitig da unterstützen können, wo eine Zusammenarbeit sinnvoll ist. Deswegen haben wir im Mai eine Konferenz in Stuttgart, die das Thema beleuchten wird. Und zum anderen geht es uns natürlich darum, das Know-how der Mitgliedsfirmen sowie ihre Erwartungen und Bedürfnisse im Zusammenhang mit Additive Manufacturing zusammenzubringen. Das bedeutet, dass wir auch Arbeitskreise haben. Hier sprechen wir unter anderem darüber, wie die Praxis aussieht, was noch gebraucht wird und wir tauschen uns über Möglichkeiten und Herausforderungen aus.

Darüber hinaus sind wir natürlich auch innerhalb des Verbandes aktiv, kümmern uns darum, welche Unternehmen dabei sind, damit auch andere Branchen des Maschinenbaus darauf aufmerksam werden und sind stolz über die wachsende Zahl an Mitgliedern, di immer  neue Aspekte beleuchten. Weiterhin leisten wir Öffentlichkeitsarbeit bis hin nach Berlin oder Brüssel. Wir sind vernetzt mit Normungsabteilungen und stehen auch immer für Interviews und ähnliches zur Verfügung.

 

drupa: Können Sie Additive Manufacturing kurz einordnen? Seit wann ist es überhaupt möglich, „in 3D zu drucken“? Welche Entwicklungen waren dafür notwendig und wieso hatten entsprechende Verfahren eine solche Durchschlagskraft?

Die ersten Patente, die für die Idee des 3D-Drucks aufkamen, müssten mittlerweile um die 30 Jahre alt sein. Natürlich hat es dann noch etwas gedauert, bis die Idee konkreter wurde, denn was das Verfahren angeht, mussten noch viele Thematiken bedacht und alle Möglichkeiten betrachtet werden. Wie kann ich Daten überhaupt so aufbereiten? Wie kann ich einen Drucker mit den nötigen Informationen versorgen? Wie komme ich dann, wenn es um industrielle Anwendungen geht, auch aus einer Konstruktion zu einem dreidimensionalen Gebilde? Wie kriege ich diese Übersetzung digital hin? Das sind eine Menge Schritte, die notwendig waren, um überhaupt erstmals 3D zu drucken. Es geht um mehr als beispielsweise einen Inkjetdrucker, der einfach mehrere Schichten übereinanderlegt, die sonst bisher nur in einer Schicht aufgebaut wurden. Das Konzept musste erst über viele Jahre hinweg ausgereift und entwickelt werden. Und als dann die ersten richtigen Versuche aufkamen – das müsste so um die Jahrtausendwende gewesen sein – war das Umfeld noch nicht so weit. Das kam erst im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte. Im Vergleich zu anderen konventionellen, traditionellen Fertigungsverfahren verlief die Entwicklung jedoch sehr schnell. Das ist tatsächlich eine beeindruckende Leistung, vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Arbeitsschritte bei einem 3D-Druck dazugehören.

 

drupa: Für die drupa 2020 übernimmt die Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing vom VDMA die inhaltliche Gestaltung und Durchführung des Vortragsprogramms vom touchpoint 3D fab+print auf der drupa 2020. Können Sie uns schon ein paar exklusive Details und Highlights verraten, die die Besucher erwarten werden?

 Unser großes Ziel ist, dass wir in unserem Vortragsprogramm vom touchpoint 3D fab+print den Besuchern die Möglichkeit bieten, einen Einblick über die gesamte Prozesskette der additiven Fertigung zu erhalten – natürlich zugeschnitten auf die Besucher der Druck- und Papiermesse. Wir freuen uns darauf, dass uns viele Anbieter der Technologie begleiten, die im 3D-Druck sehr erfahren sind und den Besuchern dementsprechend viel mitgeben können. Ergänzend dazu werden wir einige Vertreter aus der Forschung dabeihaben. U.a. auch die Uni Duisburg, die aus meiner Sicht mit einem sehr guten Überblick das Thema beleuchtet. Wir werden internationale Fachleute präsentieren, die sich Schichtbautechnologien, Designoptimierung, Prozesssimulation beschäftigen, damit die industrielle Produktion ermöglicht wird. Zudem können wir mit Experten aufwarten, die viel Erfahrung mit dem Einsatz von 3D-Druck und dem gesamten Fertigungsprozess haben. Auch wird sich ein Unternehmen aus dem Schmiedebereich vorstellen, bei dem der 3D-Druck als ergänzende Technologie einsetzt wird und die dahingehend berichten wird, wie die Prozesskette noch optimiert werden kann. Bei uns wird es also rundum sehr vielfältig und wir werden einen guten Überblick über die gesamte additive Entwicklungs- und Produktionskette zu geben.

 

Vielen Dank, Herr Gebhardt. Wir freuen uns auf eine großartige Zusammenarbeit für unseren drupa touchpoint 3D fab+print und können den Juni 2020 kaum abwarten. Erst einmal dürft ihr aber auf den zweiten Teil des spannenden Interviews gespannt sein – bleibt dran!